TIMERIDE Historischer Blog

Köln und der Krieg

Wenn ich su an ming Heimat denke, un sin d’r Dom su vör mir ston, mööch ich direk op heim an schwenke, ich mööch zo Foß noh Kölle gon.“

Heimweh nach Köln, Willi Ostermann, 1936 

von Jonas Mortsiefer am 30.03.2026

Das singt der große Kölner Sänger Willi Ostermann kurz vor seinem Tod im Jahr 1936 sehnsüchtig über seine Heimatstadt. Dass seine Zeilen kaum zehn Jahre später eine ganz neue Bedeutung haben würden, das hätte er sich wohl im Traum nicht vorzustellen gewagt.

Köln 1945

Abbildung 1: Der Kölner Dom 1949

Denn 1945 liegt Köln nach dem von Deutschland entfesselten Weltkrieg in Trümmern. Nur der Dom scheint unversehrt über die Trümmerwüste zu ragen. Als die aus der Stadt geflüchteten Kölnerinnen und Kölner zurückkehren, ist es der Anblick der Domtürme, der ihnen die Tränen in die Augen treibt; sind es die Zeilen Ostermanns, die ihnen dabei über die Lippen gehen. Es scheint den Menschen damals wie ein Wunder, dass der Dom noch steht – auch nach mehr als 80 Bombentreffern.  

Am 8. Mai wird wieder dem Kriegsende in Europa und der Befreiung von der NS-Diktatur gedacht. Das Ausmaß der damaligen Zerstörung in ganz Europa und auch in Köln ist fast nicht mehr vorstellbar. Die Spuren des Krieges und der NS-Zeit aber, finden sich bis heute an vielen Orten in Köln.

Wo das Erbe des Krieges bis heute sichtbar ist

Oftmals reicht beim Spazieren schon ein Blick nach unten auf den Gehweg. In der gesamten Stadt finden sich unzählige Stolpersteine, die an die deportierten und ermordeten Kölner Jüdinnen und Juden, Sinti und Romnja und politisch Verfolgten erinnern.

Bis die Straßen nach dem Krieg aber überhaupt wieder genutzt werden konnten, sollte es Jahre dauern. Nach und nach beseitigen die damaligen Kölnerinnen und Kölner in mühsamer Arbeit die Trümmer, bis der eigentliche Wiederaufbau losgehen kann. Die unglaublichen Mengen an Schutt müssen dafür aber erstmal irgendwo hin. Pragmatisch kölsch findet man eine Lösung: Rund um die Innenstadt wird der Schutt zu riesigen Halden aufgetürmt und bepflanzt. Bis 1960 entstehen so elf Trümmerberge. Unter ihnen der Hügel am Aachener Weiher und der Herkulesberg, auch bekannt als „Mont Klamott“ – von dem man heute übrigens besten Domblick hat. 

Römer und Bunker

Direkt neben dem Dom steht bis heute eines der größten Bauwerke aus dem Krieg, wenn auch so gut wie unsichtbar: der Dombunker. Als 1941 der Bau, findet man hier das riesige, römische Dyonisos-Mosaik. Bis heute ist es an der Fundstelle zu besichtigen. Und zwar im Römisch-Germanischen Museum, das in den 1970er Jahren einfach auf den Bunker aufgesetzt wurde und diesen somit versteckt.

Auch andere ehemalige Luftschutzbunker sind heute kaum mehr als solche zu erkennen. Etwa der Hochbunker am Breslauer Platz, der mit seiner Glasverkleidung glatt als modernes Bürogebäude durchgeht. Andere tarnen sich mit ihren Türmen als „Kirchenbunker“. Einer dieser Sorte findet sich in Mülheim an der Berliner Straße und beherbergt heute ein Kulturzentrum. Kulturell genutzt wird auch der Ehrenfelder Bunker in der Körnerstraße, vor allem mit Ausstellungen und Kunstmärkten.

TimeRide Köln 1945

Bis diese Relikte des Krieges eine solche Nutzung erreichen konnten, war es ein weiter Weg. Wie dieser in Köln begann, erzählt TimeRide in diesem Sommer mit einem neuen VR-Progamm, das in die unmittelbare Nachkriegszeit zurückspringt, in der hunderttausende Kölnerinnen und Kölner wirklich taten, was Willi Ostermann einst besang: „zo Foß noh Kölle gon.“

Jonas Mortsiefer

Hat im Master Public History studiert, kann sich Jahreszahlen nur bedingt gut merken und fragt lieber danach, was die Menschen von damals bewegt und angetrieben hat und was das mit der Gegenwart zu tun hat. Beispielsweise auf seinem Interessengebiet von historischer Architektur und Städtebau – denn, wenn man so will, ist beides nichts anderes als manifestierte Ideengeschichte und gebaute Vergangenheit.

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